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Erik Steinbrecher
 
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Opening: Friday, 2022, 1st April from 8 to 10 pm
 
Exhibition: 2nd April to 28th May 2022
Opening hours: Tuesday to Saturday, 12 am to 6 pm
 
Kerstin Drechsel

Der Titel der Ausstellung (der mir gut gefällt) verrät nicht viel über das, was zu sehen sein wird. Geht es mehr um Rhythmisches (eins, zwei, chachacha) oder sollte man die Zahlenfolge als Koordinaten verstehen.

Ständig kracht’s. Es geht vorwärts. Was, ist erstmal sekundär. Ein früherer Titel hiess: Schluss mit Öko. Das war auch ein Anfang.

Jetzt verstehe ich: Auf 3 gehts los. Immer wieder. Dem entspricht die ungeheure Vielfalt Deiner künstlerischen Produktion. Blättert man durch die große Zahl Deiner Kataloge und publizierten Hefte (bei 50 habe ich aufgehört zu zählen) bekommt man nicht etwa einen Überblick sondern verliert ihn vollends. Vermutlich steckt dahinter keine Strategie sondern ist Ausdruck der früher erwähnten sich ständig verändernden Bewußtseinslage. Dennoch gibt es einen Wiedererkennungseffekt. Aber worin besteht der?

Zu unserem Termin mache ich ein paar Figuren parat, einen Kopf, Taschen mit Unterwäsche und Krawatten, Wandbleche und Neons, sowie einen Lautsprecher.
Vielleicht kommt noch die aufblasbare Seele dazu.

Du beobachtest nicht nur, sondern Du bearbeitest die Dingwelt, die Dir auffällt oder auf Dich einstürmt. Und dies auf eine merkwürdige Weise. Vielleicht ist das das Spezielle. Ein bloßer Sound ist das nicht. Und wenn Du Dich als jemanden bezeichnest, der „spekuliert“ (vielen Dank für die Hinweise zur Definition des Begriffs): Betrachtest Du Deine künstlerisches Tun als Vorarbeit um zu philosophischen Erkenntnissen zu gelangen?

Du erinnerst Dich an die Aktion mit der prallen Luftmatratze. Ich hatte sie mit einem Messer aufgespiesst. Das war einmalig.

Schade, dass wir das nicht gefilmt haben. Tolle Performance.

Du weisst, in den braunen Notdurftbehälter kippte ich damals rote und grüne Tinte. Das Resultat war eine blau-schwarze Tunke. Ein Wunder für mich.

Du kannst das wiederholen. Sowohl von der grünen als auch von der roten Tinte stehen hier noch unbenutzte Fläschchen. Ein Versprechen. Außerdem gibt's noch ein ungeöffnetes Päckchen mit Insektenfänger, die nicht zum Einsatz kamen.

Das remake einer Veranstaltung wäre das. Null Evolution sozusagen.

Ja, und je häufiger die Wiederholung, desto bedeutsamer wird das Projekt. Aber belassen wir es für diesmal beim 1, 2, 3. Du hast ja einiges in Planung: Figuren, Köpfe, Unterwäsche, Bleche usw. Gibt es einen inneren, gleichsam subkutanen Zusammenhang? Wie kommst Du vom einen zum anderen?

Es ist der Körper. Ein Neon heisst: Ich als Strich. Ein anderes: Grosser Hintern. Eben habe ich einen Holzkopf von Ewald Mataré wieder gesehen - ohne Gesichtszüge. Kennst Du den?

Jeder Körper ein Neuanfang?

Die Serie: Roter Kopf, Grosser Roter Kopf und Sehr Grosser Roter Kopf fängt nie wirklich an und hört auch nicht auf.

Die roten Köpfe kenne ich nicht. Auch nicht den Kopf von Mataré. Die Styroporköpfe, die öfter bei Dir Verwendung fanden, haben auch keine Physiognomie. Und an die Gesichter der Mannequins kann man sich auch nicht erinnern.

Bei den roten Köpfen handelt es sich um lackierte Blechkasten, in denen man sich spiegeln kann. ER und ER2 haben Gesichter, maskierte immerhin.

Das Foto, das Du eben geschickt hast - ist schon die halbe Ausstellung? Das Bild mit der Kopfstütze ist prächtig. Die Wand mit den Lichtreflexionen erinnert an die großen Bleche, die ebenfalls irisierende Oberflächen aufweisen.

Über Ordnung und Unordnung können wir ja später Mal sprechen.

Und auch darüber, wie es zu Entscheidungen kommt. Bewußt, kalkuliert, einem Konzept oder einer Idee folgend - oder intuitiv, zufällig. Lieber intuitiv, das birgt Überraschungen.
 
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