ZWINGER Galerie
 
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ERIK STEINBRECHER
 
The exhibition is extended until the end of June
 
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Runfola
 

Werner Müller: Erik, der Schirm und das Radio, was ist das?

Erik Steinbrecher: Der Schirm und das Radio sind eins. Den Schirm habe ich am Strassenrand gefunden. Gleich vor der Galerie übrigens. Jemand hat ihn liegen lassen am Strassenrand. Es sieht aus, als hätte er einen stürmischen Regen nicht überlebt. Dem Schirm wurde arg zugesetzt. Das handliche Radio habe ich später bei Saturn dazu erworben. Seine Farbe geht gut zusammen mit den Schirmfarben; Beige und Rosa. Griffstange und Antenne sollen parallel eingestellt sein.

WM: Der derangierte Schirm erinnert an die nicht korrekt entfalteten Sonnensegel, die den Satelliten Sonnenenergie zuführen sollen. Und das Radio (es wird doch während der Ausstellung angeschaltet sein?) scheint vergeblich Impulse auszusenden, um das zu korrigieren. Bei aller spillerigen Ähnlichkeit bleibt die Kommunikation folgenlos. Die Spannung löst sich nicht auf. Parallelen kreuzen sich eben nicht - oder erst im Unendlichen.

ES: Ja, das Radio muss laufen und auf Empfang sein. Ein fernes Rauschen wird mindestens zu hören sein.

WM: Es gibt eine andere Arbeit mit zwei Objekten, die auf merkwürdige Art miteinander funktionieren. Ich hatte sie in Deinem Studio gesehen: Der zerknautschte Block Modellierton, der einen klumpigen Fuß bildet und sich zur Seite neigt und die zerdrückte Bierdose die Du so arrangiert hast, daß sie sich zur anderen Seite neigt. Da gibt es auch eine Parallele, wenn auch nicht in der Bewegungsrichtung. Ich sehe da zwei unterschiedlich Arten von Volumen, einen leichten Hohlkörper und eine schwere Masse, denen Ähnliches widerfahren ist. Oder ist das zu formal gedacht?

ES: Diese ´Kleinskulptur´ stammt aus einer Serie von Keramiken; gebrannten und ungebrannten. Das hier ist eine ungebrannte. Ich behaupte, es sei eine Keramik; eine Art Keramikdose. Ich habe alles Mögliche zu einer Keramik erklärt; kleine und grosse Gebrauchsgegenstände, einen ganzen Haushalt.

WM: Der Begriff Keramikdose gefällt mir. Irgendwie ein "Unding". Was machst Du mit sieben bronzefarbenen Pilotenschlafsäcken?

ES: Die Coyoten - so heissen die Schlafsäcke - werde ich unter einen Marktschirm hängen. Am Boden arrangiere ich reichlich Lebensmittelkonserven; Bohnen, Ravioli, Fisch und Wasser. Dazu eine Rolle Klopapier.

WM: Ein Camp also. Eine provisorische Behausung. Da reichen die Assoziationen über eine große Spannweite: Vom Militärischen, übers Prekäre bis zum Outdoor-Erleben (was m.E. eine Spielart des Luxus darstellt). Kommt auch die "Keramik" mit den Gurken und der Salami zum Einsatz? Ein Objekt über das ich eigentlich nicht öffentlich reden mag.

ES: Das ist keine Keramik. Das ist ein knappes Buffet. Die Riesengurkengläser und die dicke Wurst habe ich bei Netto gekauft. Die Ware lief genau so über das Band an der Kasse, wie Du es auf dem Foto erkennst.

WM: Willst Du noch etwas zur Luftmatratze sagen? Bisher kenne ich sie ebenfalls nur vom Foto. Sie scheint auch ein Objekt mit einer gewissen Vergeblichkeit oder Unmöglichkeit zu sein.

ES: Die beige Luftmatratze mit integrierter Luftpumpe und Stromanschluss wird prall an der Wand stehen. An einer Stelle hat der Körper ein Loch. Aber damit verrate ich zuviel . . . . Ausserdem bringe ich einen neuen Aluguss mit, welcher womöglich von der Decke hängt. Ein namenloses Objekt ist das. Über den braunen Plastikeimer mit dem braunen Wasser sprechen wir vor Ort. Einverstanden?