ZWINGER Galerie
 
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IMPRINT
 
 
 
Erik Steinbrecher
 
ESSIG, ÖL, SEPIA UND SCHWARZE TINTE
 
Opening: Friday, 2016, 7th April from 7 to 9 pm
 
Exhibition: April 8th to June 3rd, 2017
Opening hours: Tuesday to Saturday, 12 am to 6 pm
 
Erik Steinbrecher
Erik Steinbrecher, Painter, 2013
 
Werner Müller: Erik, hast Du einen Überblick über die Anzahl der kleinen und großen Publikationen, die Du seit wie vielen Jahren produzierst?

Erik Steinbrecher: Schon. Du weisst, ich sortiere gerne. Das ist ein Spiel. Heute habe ich im Akkord eine ältere Bildersammlung gescannt. Ich will diese Bilder wegkriegen.

W: Von wegen wegkriegen. Du willst sie sichern, archivieren. Diese notorische Bild-Aufmerksamkeit entwickelst Du ebenso gegenüber Objekten und Dingen.
Wenn man sich bei Dir im Studio umsieht, gibt es überall kleinere und größere Arrangements von Gegenständen, nicht unbedingt Fundstücken. Vieles ist gekauft, in Supermärkten oder im Baumarkt.

E: Ist Dir die dicke Bettflasche aufgefallen? Die liegt da neuerdings auch rum. Sie ist immer mit warmem Wasser befüllt. 

W: Ist mir entgangen. Die Wärmflasche als Kunstwerk funktioniert also wie das nasse Hemd, das nie trocknen darf? Man ist aufgefordert, sich zu kümmern. Dieser Aspekt Deiner Kunst ist mir neu.

E: Du warst dabei, wie ich die pralle Luftmatratze abgestochen hatte. Das Pflaster auf dem Schlitz hattest Du danach regelmässig festrubbeln sollen. War Dir das etwa unangenehm?

W: Überhaupt nicht. Das schafft Bindung. Es wird zum Ritual. Ich überlege, wie stark das Pflegerische Deine Arbeit bestimmt. Gibt es Parallelen zur Methode, vorgefundene Dinge zur Ergänzen, durch Alu-Folie oder durch Ausblühungen von Kupfer oder Bronze?

E: Die Festplatte z.B. hatte ich in eine Bronze verwandelt. Durch einen Gussvorgang wurde sie plombiert. Dafür musste das Gerät mit allen Daten durch den Ofen.

W: Die neue Ausstellung in der Zwinger Galerie versammelt eine Anzahl weißer Gegenstände: Einen Kühlschrank, Haushaltsattrappen, Kleidungsstücke, weiss lackierte Bleche und überstrichene Holzplatten. Es könnte eine Variation der älteren Installation mit dem schönen Titel "Halo Erik" werden. "Halo" beschreibt nach Ludwig Seyfarth "eine kognitive Verzerrung, eine Übertragung von Eigenschaften eines Objekts auf ein anderes". Halo bezeichnet auf englisch auch den Heiligenschein. Und den können wir in Form von blauem Licht in der Galerie erwarten. Es wird eine stark atmosphärische Einrichtung. Auf der Einladungskarte erscheint das Nachbild einer nicht eindeutigen Figur, die Du "Painter" nennst. Warum hat das Mannequin keine Arme?

E: Das ist mir passiert. Ich finde, man kann die Figur trotzdem gut erkennen. 

W: Mir gefällt die Idee: Malen ohne Arme, nur durch Übertragung. Die Farbklekse auf dem Hemdausschnitt sind dagegen ganz konkret.

E: Bei den Perlmuttspiegeln ist es etwa umgekehrt. Man meint etwas erkennen zu müssen, und dennoch bleibt das, was man sieht, ziemlich vage.

W: Einerseits hintergehst Du die Minimalismus-Erwartung permanent. Andererseits: Kaum ist man einer Erzählungen auf der Spur, wird sie abgebrochen oder endet im weissen Rauschen. Wie bei demBademantel etwa?

E: Am gleichen Haken hängt immerhin auch noch ein Regenmantel aus Gummi. Man kommt nicht umhin bei den beiden an etwas Feuchtes zu denken, so oder so.

W: Am gleichen Haken? Das allerdings ist eine Geschichte.

E: Von der Hose am Bügel hatte ich auch erzählt. Der Boden ist hier lustig runtergeklappt und man schaut unweigerlich von Aussen in die Hose rein.

W: Liegt das jetzt an meiner versauten Phantasie oder hört sich das arg schlüpfrig an? Habe ich diesen Aspekt Deiner Kunst bisher übersehen?

E: Du kriegst einfach die Rückseite von einem Hosenstall zu sehen. Das ist ungewohnt vielleicht.

W: Wir hätten diese Rückseite des Hosenstalls auf die Einladungskarte nehmen sollen. Der  "Painter" ist ja überraschenderweise verreist. Es gibt eine Alternative? Du hattest mir das Bild eines bronzenen Knaben geschickt. Oder war er golden?

E: Die Figurine, die Du meinst, habe ich kürzlich umlackiert. Sie soll aussehen wie das Phantom einer Bronze. Ausserdem arbeite ich an einem changierend weissen Mannequin. Teile der Oberfläche werde ich hier zum Glänzen bringen.

W: Dem Spiel mit unterschiedlichen Oberflächen begegnet man auch bei den Paneelen und Blechen, die Teil der Ausstellung sein werden. Von den Perlmuttspeigeln hast Du schon gesprochen.

E: Die Silber gefärbten Hammerschlagbleche sind dazugekommen. Je nach Lichteinfall funkeln die Chassis und wirken schön verführerisch.
 
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